10.12.2005

Verschwindet auch die Seweckenwarte bald im Hochwald?
Auszug aus einem Brief des Wartenvereins Quedlinburg e.V. an das Bauministerium und das Kultusministerium des Landes Sachsen-Anhalt

Für die Stadt Quedlinburg wird eine Ortsumfahrung geplant. An der Notwendigkeit dieses Straßenbauvorhabens gibt es keine Zweifel, an einer geplanten Ausgleichmaßnahme jedoch sehr:
Für den Bau der Ortsumfahrung müssen ca. 500 m² Wald am Fuß des Ochsenkopf-Berges gerodet werden. Dieser Eingriff in den Waldbestand muss durch Aufforstung an anderer Stelle ausgeglichen werde. Das entspricht der Gesetzeslage und ist unstrittig.
Ausgesprochen unverständlich ist die Wahl des Standortes dieser Ausgleichmaßnahme, denn es soll eine Ackerfläche von 15.700 m² unmittelbar neben der Seweckenwarte aufgeforstet werden.


Blick über die zukünftige Aufforstungsfläche zur Seweckenwarte, im Hintergrund die Seweckenwarte, umgeben von 3 bis 4 m hohem Gebüsch
Blick über die zukünftige Aufforstungsfläche zur Seweckenwarte,
im Hintergrund die Seweckenwarte, umgeben von 3 bis 4 m hohem Gebüsch


Die Seweckenwarte, wie alle anderen Warten auch ein ausgewiesenes bauliches Einzeldenkmal, ist die einzige Höhenwarten des Quedlinburger Wartensystems, die nicht im Wald steht und von der man einen freien Rundumblick hat.Erst Anfang der neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts wurde diese Warte als Aussichtsturm begehbar gemacht und ist heute einer der beliebtesten Aussichtspunkte in der Umgebung von Quedlinburg.
Nur von der Seweckenwarte aus besteht heute noch Sichtkontakt zu fast allen anderen Wartenstandorten.


Blick von der Seweckenwarte in Richtung Stadt; Dieser Blick wird durch den Wald dann nicht mehr möglich sein.
Blick von der Seweckenwarte in Richtung Stadt
Dieser Blick wird durch den Wald dann nicht mehr möglich sein.


Damit kann man nur von der Seweckenwarte aus die Funktionsweise des mittelalterlichen Warnsystems der Warttürme rund um Quedlinburg nachvollziehen. Darin liegt der besondere historische Wert der Seweckenwarte.
Mit der Aufforstung in unmittelbarer Umgebung der Warte geht dieser historisch wichtige Sichtkontakt mit der Zeit verloren und die Warte verliert ihre nachvollziehbare Einbindung in das Wartensystem.


Die Altenburgwarte ist von Wald umgeben.
Die Altenburgwarte ist von Wald umgeben.


Blick von der Altenburgwarte zur Stadt; In wenigen Jahren wird dieser Blick vollständig zugewachsen sein.
Blick von der Altenburgwarte zur Stadt
In wenigen Jahren wird dieser Blick vollständig zugewachsen sein.


Darauf hat die Stadt Quedlinburg bereits in ihrer Stellungnahme im Planfeststellungsverfahren hingewiesen.
Eine Änderung der Planung bezüglich der besagten Ausgleichmaßnahme wird es voraussichtlich seitens des Planungsträgers und der zuständigen Naturschutzbehörde nicht geben, obwohl ein ausreichend großer Alternativstandort im Bereich der abgerissenen ehemaligen Kaserne im Ortsteil Quarmbeck zur Verfügung stehen würde. Dort sind bereits auf Teilflächen andere Ausgleich- und Ersatzmaßnahmen für den Bau der vierspurigen B6n und der Ortsumfahrung geplant. An diesem Standort könnte die Biotopvielfalt mit der Aufforstung eines standorttypischen Laubwaldes aus Hainbuche, Traubeneiche und Winterlinde noch vergrößert werden.

Neuer Sachstand 20. Dezember:
Vom Bauministerium erhielt der Wartenverein zwischenzeitlich Antwort. Darin wird auf das Planfeststellungsverfahren und die Zuständigkeit des Landesverwaltungsamtes für die Entscheidung im Planfeststellungsverfahren hingewiesen.
Die Antwort ging uns nach ca. 2 Wochen zu. Für die kurze Bearbeitungszeit sei dem Ministerium an dieser Stelle ausdrücklich gedankt.

14.11.2005

Sanierung des Unesco-Welterbes in Quedlinburg gefährdet

Scheitert Rettung des einsturzbedrohten Schlossbergs an katastrophaler Finanzsituation?

Quedlinburg/dpa. Die Rettung des einsturzbedrohten Schlossbergs in der UNESCO-Welterbestadt Quedlinburg ist wegen der katastrophalen Finanzsituation der Stadt (Sachsen-Anhalt) gefährdet. «Entweder lässt man die Stadt komplett verfallen und macht etwas am Berg oder umgekehrt», sagte Klaus-Dieter Plathe von BauBeCon, dem städtischen Sanierungsträger, am Wochenende in einem dpa-Gespräch. Dramatisch sei das Finanzloch, weil die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die der Stadt mit Deutschlands größtem Flächendenkmal bislang mit jährlich 1,5 Millionen Euro unter die Arme griff, von 2006 an nur noch 500 000 Euro zahlen kann. Die Misere sei so dramatisch, dass langfristig sogar der Welterbe-Titel in Gefahr sei, betonte Plathe.

«Die Stadt hat keine Ahnung, wie es weiter gehen soll, im nächsten Jahr fehlen eine Million Euro Eigenmittel.» Deshalb könnten keine ergänzenden Fördermittel von EU, Bund oder Land beantragt werden. Kurz vor der Fertigstellung eines Gutachtens zum Zustand des Schlossbergs, der wegen Erosionen im Sandstein abzurutschen droht, stehe bereits fest, dass die mit 15 Millionen Euro veranschlagten Kosten zur Stabilisierung des felsigen Areals nicht aufgebracht werden können. Der Schlossberg mit der romanischen Stiftskirche, den Grabstätten des ersten deutschen Königspaares Heinrich I. und seiner Frau Mathilde, ihrem über 1000 Jahre alten Domschatz und einem Renaissanceschloss ist praktisch die Wiege der deutschen Geschichte.

«Der Schlossberg ist eine nationale Aufgabe von Bund und Land und nicht die einer Kleinstadt wie Quedlinburg», betonte Plathe. Zur Erhaltung des Denkmals müssten «Sondertöpfe» angezapft werden. «Wir können das auf Dauer nicht durchhalten», prophezeite der oberste Sanierer der Stadt. Er warnte eindringlich, mit finanziellen Lösungen zur Rettung des Denkmalberges, den im Jahr bis zu 1,5 Millionen Menschen besuchen, zu lange zu warten. «Wenn er kippt, dann kommen die Leute angerannt. Dann ist es aber zu spät.»
(Quelle: Mitteldeutsche Zeitung Online-Ausgabe 14.11.2005)

Damit ist die Stadt Quedlinburg nicht in der Lage, die Feldwarten zu erhalten. Der Wartenverein erbittet deshalb zum Erhalt der Warten Spenden.
(näheres dazu siehe Projekte und Spenden)

31.10.2005

Die Seiten des Wartenvereines sind online verfügbar.