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 Mai 2019

Fundamente der Aholzwarte frei gelegt

 

Die Aholzwarte lag ca. 3 km südwestlich von Quedlinburg auf dem nach Westen und Süden steil abfallenden Aholzberg.

Von dieser Warte aus konnte besonders das Gebiet der Grafschaft Regenstein, zu der auch die Lauenburg bei Stecklenberg und der Rambergsforst bei Friedrichsbrunn gehörten, beobachtet werden. Zwischen der Stadt Quedlinburg und den Regensteiner Grafen gab es im 13 und 14. Jahrhundert viele Fehden und Auseinandersetzungen.

Im Krieg von 1336 mit den Regensteiner Grafen waren es vermutlich die Wächter auf der Aholzwarte und auf dem Lethturm, die sich von Regensteiner Boten täuschen ließen und die Stadtwache nicht alarmierten, als Regensteiner Truppen in die Feldflur von Quedlinburg einfielen.

Der aus Sandsteinquadern gemauerte Wartturm war rund, hatte einen Durchmesser von etwas über 5 Metern und vermutlich eine Höhe von 18 bis 20 Metern. Der Lethturm, die Bicklingswarte und die Ilenstedter Warten waren ähnlich gebaut. Bereits im 19. Jahrhundert war von der Aholzwarte nur noch ein geringer Rest vorhanden. Die behauenen Steine der Außenschale wurden nach der Separation vollständig abgetragen und zum Bau einer Brücke über den in der Nähe fließenden Sixtergraben verwendet. Bis in die 1980er Jahre stand noch der aus dem Bruchsteinmauerwerk des Kerns bestehende Stumpf des Turms. Seine Höhe betrug zu dieser Zeit noch rund 2 Meter und hob sich deutlich von der Umgebung ab. Durch fortschreitende Verwitterung löste sich der Mauerverband seitdem größtenteils auf, der Mörtel rieselte aus den Fugen und die Steine rutschten den entstandenen Schuttkegel herab. Aktuell hat der Ruinenhügel nur noch eine Höhe von knapp einem Meter über dem östlichen Geländeniveau und wird in der Landschaft kaum noch bemerkt.

Deshalb wurde im Auftrag des Wartenvereins und unter unserer Anleitung von Arbeitskräften mit Mehraufwandsentschädigung (1€-Jobs) nach den Fundamentresten gesucht. Die frei gelegten Schichten aus grob behauenen sehr großen Sandsteinquadern in ca. 75 cm Tiefe sind noch gut erhalten, eine Sicherung und Sanierung lohnt auf jeden Fall.

 

 

 

Nun wird ein Sanierungskonzept erarbeitet.

 

 

 November 2018

Sanierung der Ruine der Ilensteder Warte

Abschlussbericht

 

 

 

Nach dem durch Steindiebstahl um 1820 verursachten Einsturz der Westseite des Turmes wurde um 1828 zur Sicherung der Ruine an der entstandenen Nordost-Ecke die Außenschale der Mauer durch einen Mauerwerkskeil von ca. 1,5 m Breite und rund 5 m Höhe unterfüttert. Die entstandenen Stirnseiten der Mauer wurde seinerzeit zum Schutz des Bruchsteinkerns mit einer dünnen Vorwand aus kleinformatigen Sand- und Kalksteinen verkleidet.

 

Die ergänzten Bauteile besaßen keinen statisch sicheren Verbund zum historischen Mauerwerk mehr und sind deshalb abgerissen. Ebenso lösten sich auch im Bereich der Mauerkrone großflächig die Innenschale und die vorgesetzte Stirnseitenverblendung auf beiden Seiten der Ruine.

 

Das tatsächliche Ausmaß dieser Schäden war erst vom Gerüst aus erkennbar.

 

 

NW-Ecke

 

 

SW-Ecke

 

 

Mauerkrone

 

 

 

Sanierungsmaßnahmen:

 

  • Das gesamte lose Mauerwerk im oberen Bereich des Turmes ( ca. 5 m²) und an den Stirnseiten (ca. 7,4 m³) wurde abgenommen, noch brauchbare Steine wurden aufgearbeitet und möglichst an ihrem ursprünglichen Platz im Mauerwerk wieder eingebaut.

  • Verwitterte Teile des Mauerkerns wurde ebenfalls abgetragen. Der Mauerkern wurde aus statischen Gründen in Klinkermauerwerk (ca. 1000 Steine) ausgeführt, nicht wieder aus Bruchsteinen errichtet.

  • Teile der Innenschale, der Stirnseiten und der Mauerkrone wurden entsprechend des historischen Verlaufs der Lagerfugen wieder hergestellt und so ergänzt, dass der anzunehmende Zustand nach der Sanierung von 1828 wieder erreicht wurde. An den Stirnseiten wurden aber großformatige Steine zur Herstellung eines sicheren Verbandes der Mauerwerksschalen verwendet.

  • Außerdem erfolgte eine unsichtbare Verklammerung der Ecksteine in den Lagerfugen mit dünnen, auf der Baustelle zu biegenden Edelstahlklammern sowohl untereinander als auch mit dem Klinkerkern. Die erforderlichen Bohrungen auf der jeweiligen Steinoberseite sind mindestens 5 cm tief.

  • Die durch Verwitterung entstandene große Abtreppung auf der Südwest-Seite wurde bis zu eine Höhe von 6,20 über Gelände voll aufgemauert. Es wurde ein einzige Absatz im Mauerwerk ausgebildet, der einen Witterungsschutz aus Titanzinkblech erhalten hat.

  • Von den Stirnseiten her wurden pro Quadratmeter 4 Stück 1 Meter lange Spiralanker eingebohrt.

  • Der große Riss zwischen dem historischen Turmmauerwerk und dem um 1828 untergemauerten Stützmauerwerk auf der Nordostseite wurde mit 2 Meter langen Spiralankern, die in jede zweite Fuge eingelegt worden sind, überbrückt. Bei Fugenversatz wurden die Anker dem Fugenverlauf angepasst.

  • Die senkrechten Risse in den mittelalterlichen Teilen der Außenschale auf der Südseite, die sich vom Boden aus bis in eine Höhe von 6 - 8 Metern zeigten, wurden in jeder zweiten Lagerfuge mittels Spiralankern von einem Meter Länge überbrückt. Die Anker wurden so eingebaut, dass beidseits der Risse je zwei Steine über dem Anker liegen.

  • Insgesamt wurden 43 Meter Risse mit 2 Meter langen Ankern und 56 Meter Risse mit 1 Meter langen Ankern in den Fugen saniert. In den Stirnseiten wurden 96 Anker eingebohrt.

  • Die Risse in den Steinen wurden mit 2-Komponenten-Epoxidharz dicht verschlossen, um Frostsprengung zu verhindern. Diese Risssanierug erfolgte auf ca. 6 m² Mauerfläche.

  • Außerdem wurden 54 Sandsteine durch Vierungen repariert.

  • Die Mauerkrone wurde mit einer Ortbetonplatte vom 7 - 12 cm Dicke und einem Gefälle zur Turminnenseite hin abgedeckt. Darauf wurden 2,5 cm dicke Sperrholztafeln als Basis für die Stehfalzbleche mittels langer Rahmendübel montiert. Die verdeckt aufgeschraubten Stehfalzbleche aus Titanzink sind matt grau beschichtet und glänzen damit nicht.

 

Witterungsschutz

 

  • Die Blitzschutzanlage besteht aus der Fangleitung mit drei Spitzen mittig auf der Stehfalzabdeckung, der Ableitung aus Flachband und der Erdungsanlage. Für die Ableitung wurde Flachband gewählt, weil das direkt auf die Mauer aufgeschlagen wird und man somit nicht hinter das Band fassen kann. Damit werden Möglichkeiten für Vandalismus eingeschränkt.

  • Für alle Maurerarbeiten wurde als Mörtel eine Baustellenmischung aus Badeborner Sand, einem geringen Anteil gewaschenem Brechsand aus dem Kieswerk Wedderstedt und Otterbeiner Kalk NHL5 verwendet.

  • Die Spiralanker wurden in einen vom Hersteller empfohlenen Gips verträglichen Spezialzementmörtel gelegt.

  • Mittels einer kleinen Suchschachtung wurde die Gründungssituation im Bereich der Schäden an der Nordost-Ecke untersucht. Dabei wurde festgestellt, dass der um 5 cm verbreiterte Sockel in knapp einem Meter Tiefe liegt, das Gelände also mehr als einen Meter angefüllt worden ist. Grundlegende Probleme mit der Gründung gibt es nicht. Die Fugen des im Erdreich befindlichen Mauerwerks sind aber großflächig stark verwittert, nur noch mit Erde gefüllt und durchwurzelt. Außerdem gibt es einige stark gerissene Steine. In naher Zukunft sollte deshalb auch der in der Erde liegende Teil des Mauerwerks saniert werden, um Setzungen und damit Mauerwerksrisse zu vermeiden.

 

 

 

Die Arbeiten wurden im Zeitraum von August bis Anfang November 2018 ausgeführt.

 

 

 

Ausführende Firmen:

 

 

 

Büchner Naturstein GmbH, Quedlinburg als Generalauftragnehmer,

 

Gerüstbau & Vermietung Reiner Hippe, Harzgerode als Subunternehmen,

 

Hubert Dacheindeckungen, Quedlinburg als Subunternehmen,

 

Blitzschutz- und Erdungsanlagen Horst Trepczyk, Quedlinburg OT Gernrode als Subunternehmen

 

 

 

 

 

 

 

Bei der genaueren Untersuchung des Mauerwerks haben wir den Gewölbeansatz der ehemaligen Türöffnung gefunden. Auch diese Türöffnung befand sich, wie bei allen anderen Quedlinburger Warten, in rund 7 m Höhe auf der der Stadt Quedlinburg zugewandten Seite.

 

Türbogenansatz (rot)

 

 

Ebenso fanden wir den Ansatz des Kuppelgewölbes und die seitliche Begrenzung der Durchstiegöffnung in rund 10 m Höhe. Damit können wir davon ausgehen, dass auch die Ilenstedter Warte ein Turm vom Typ des Lethturmes war.

 

 

 

Die Sanierung wäre nicht möglich gewesen, wenn die erforderlichen Gelder nicht zur Verfügung gestanden hätten.

 

Wir erhielten für die Sanierung folgende Zuwendungen:

 

 

 

Land Sachsen-Anhalt aus Mitteln der Denkmalpflege rund 80 %

 

Stiftung der Kreissparkasse Quedlinburg rund 5,5 %

 

Landkreis Harz aus Mitteln der Denkmalpflege rund 4,5 %

 

Eigenanteil rund 10 %

 

 

 

Den größten Teil des Eigenanteils stellte die „Vereinigte Evangelische Heilige Geist- und Johannis-Hospitalgemeinde zu Quedlinburg“ als Eigentümerin der Ackerfläche, auf der der Turm steht, und damit als Eigentümerin des Wartturmes zur Verfügung. Rund 1,5 % der Kosten trug der Wartenverein, der außerdem auch die örtliche Bauüberwachung übernommen hatte.

 

 

 

 

 

Wir danken allen, die zum Gelingen dieser bisher umfangreichsten Baumaßnahme unseres Vereins beigetragen haben.

 

 

 

 

 Juni 2017

Unser nächstes Großprojekt:

 

 

 

Sanierung der Ruine der Ilenstedter Warte

 

 

 

Für das Jahr 2018 planen wir die Sicherung der Ruine der Ilenstedter (Gaterslebener) Warte.

 

Dieser Wartturm war im Mittelalter besonders wichtig, da von ihm aus der Verkehr an der Kreuzung zweier wichtiger Straßen überwacht werden konnte:

 

Aus Nordwest verlief der alte Heerweg nach Südost. Er verband den Raum Braunschweig-Wolfenbüttel mit der östlichen Reichsgrenze an der Saale und wurde vermutlich schon in der Zeit Karls des Großen angelegt. Er verlief in unserer Gegend von Halberstadt über Harsleben und Ditfurt (Bodequerung) nach Hoym und weiter nach Aschersleben.

 

Von Südwesten führte die alte Handelsstraße von Goslar über Quedlinburg und Gatersleben an den östlichen Ausläufern des Hakels entlang nach Magdeburg.

 

Der Turm war etwa 18 – 20 m hoch. Sein Durchmesser betrug 5,50 m. Heute ist nur noch der östliche Teil des Turmes mit einer Höhe von rund 14 m erhalten. In etwa 10 m Höhe kann man auf der Innenseite noch den früheren Kuppelansatz erkennen.

 

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden durch einen Bauern aus Badeborn auf der Westseite des Turmes Steine für den Bau einer neuen Scheune herausgebrochen. Dabei stürzte dieser Teil des Bauwerkes ein.