Die Feldwarten von Quedlinburg

Anton Fiege (November 2005)


Die Grenzen der ausgedehnten Quedlinburger Feldmark [ca. 42 km], über viele Jahrhunderte zum Kanonissenstift, dem späteren Kaiserlich Freiweltlichen Frauenstift gehörend, wurden seit dem Hochmittelalter durch Feldwarten und Landwehren gesichert. Dieses Recht wurde dem Magistrat 1338 durch die Regensteiner Grafen zugesichert, nachdem Graf Albrecht in einer Fehde gefangengenommen worden war. Von den ursprünglich wenigstens 11 Warttürmen sind heute noch 6 ganz oder teilweise erhalten. Sie waren von Mauern und Wällen umgeben. Die Turmwächter konnten von hieraus die Feldflur und wichtige Handelswege beobachten und Signale in die Stadt senden. Nicht nur die Stadt galt es gegen Angriffe zu sichern, sondern auch die auf den Äckern arbeitenden Bürger zu schützen sowie Vieh- und Korndiebstählen vorzubeugen. Dazu dienten eine berittene Mannschaft und ein sog. "Streitwagen". Noch 1460 wurden 210 Mann durch den Magistrat mit Ausbesserungen am Feldwartensystem beschäftigt. Schon um 1540 sollen die Warten und Landwehren in einem sehr schlechten Zustand gewesen sein. Die Warten hatten ihre eigentliche Schutzfunktion verloren und wurden nur noch gelegentlich mit Wächtern besetzt. Auf der Grundlage einer Regierungsverfügung von 1824 über die Erhaltung von Baudenkmälen setzten sich im 19. Jahrhundert Landrat Weyhe und insbesondere Bürgermeister Dr. Gustav Brecht für die Instandsetzung der Warten ein. Jährlich fand eine Begehung statt und notwendige Reparaturen wurden daraufhin ausgeführt. Ausgangs des 19. Jahrhunderts wurden die Altenburg- und Steinholzwarte - nun als Aussichtstürme umgebaut - Bestandteil des stadtnahen Erholungsgebietes. Natur- und Heimatfreunde führten in den 60er und 70er Jahren notwendige Reparaturen aus. Zu Beginn der 90er Jahre wurden diese Warten restauriert, zudem zwei weitere Warten, die Sewecken- und Bicklingswarte mit einer Innentreppe versehen. Von den Warten ergeben sich reizvolle Blickbeziehungen zur Stadt und in die Vorharzlandschaft. Der 2005 gegründete Wartenverein sieht seine Aufgabe im Erhalt der überkommenen Feldwarten. Insbesondere für den Lethurm mit der angrenzenden Landwehr wird eine historische Rekonstruktion der Wehranlagen angestrebt.